3 kulturelle Unterschiede in einer Deutsch-Amerikanischen Beziehung

Aktualisiert: Mai 17

Diese Dinge solltest Du wissen, bevor Du Deine nächste Beziehung mit einem Amerikaner eingehst.


Typisch Ami oder bin ich nur zu Deutsch?


Und schon wieder habe ich diesen Satz in meinem Kopf: „Typisch Ami“. Bewusst beiße ich mir zum wiederholten Mal auf die Zunge, denn aus Erfahrung weiß ich, dass dieser Satz mehr Ärger als Freude bei meinem Parnter auslöst. Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen sind, manchmal aber auch richtig Große.


Ich dachte immer, die amerikanische und die deutsche Kultur seien sich so ähnlich… Aber aus eigener Erfahrung wurde ich eines Besseren belehrt.


Laut meiner langweiligen Geschichtsunterrichtskenntnis, wurde vor gut 25 Jahren gerade der Nord-Osten Amerikas damals im 18. Jahrhundert von Deutschen besiedelt. Aber nicht nur 17-hundert-Irgendwas gab es große Auswanderungswellen, auch in der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit 19-hundert-Irgendwas. Also einerseits gingen viele Deutsche nach Amerika, aber andererseits prägten vor allem im Süden Deutschlands amerikanische Soldaten das Bild. Ganz nach amerikanischen Vorbild wurde das zerstörte West-Deutschland nach amerikanischem Vorbild wiederaufgebaut.


So zumindest empfand ich meine süddeutsche Kultur, angefangen bei meinem wöchentlichen Besuch bei Mc Donalds über Gameboyspiele oder Serien wie „Bill Cosby“ oder „Eine schrecklich nette Familie“. Auch die deutsche Musiklandschaft war und ist sehr von den amerikanischen Stars und Sternchen geprägt.


In meiner kleinen Welt war Deutschland fast wie ein Satellitenstaat Washingtons. Also, wir Deutsche waren der kleine Bruder oder die kleine Schwester der großen Amerikaner. Kann ja nichts schieflaufen in einer Deutsch-Amerikanischen Beziehung mit so vielen Gemeinsamkeiten und einem guten großen Bruder und kleine Schwester-Gefühl oder gibt es doch Unterschiede?


Es gibt sie, recht viele sogar. Fangen wir mit einem klassischem Beispiel an:


Der Umgang mit Nacktheit. In die Sauna oder ins Dampfbad gehe ich prinzipiell und gerne nackt. In Amerika undenkbar. Zu Hause im Bad bin ich nackt, wenn ich mich dusche, wer duscht sich schon gerne mit Kleidung… Klopft mein Partner an der Badetüre, öffne ich diese, nackt. Klopfe ich an die Badetüre, wenn er sich gerade duscht, höre ich „One moment, please.“ Der Herr muss sich nämlich erst untenrum bekleiden bevor er mit offener Türe mit mir kommunizieren kann.


Ganz zu schweigen vom nackten Spazieren durch das stockdunkel abgeriegelte Haus, einfach undenkbar. Ich denke, wir Deutschen haben mit der Feikörperkultur (FKK), wie sie in den 20er-Jahren um Berlin entstand, einfach einen Entwicklungssprung gemacht, den es so nicht im gleichen Ausmaß in Amerika gab. Anders kann ich mir das nicht erklären.


Wenn Du also mit Deinem neuen amerikanischen Partner einen Wellnessbesuch mit Saunalandschaft in Deutschland planst, sollten Dich seine weit aufgerissenen erstaunten oder angstbesetzen Blicke nicht beunruhigen. Was für uns vollkommen normal und socially accepted ist, ist für sie undenkbar. Persönlich kommt mir manchmal der Gedanke, dass die deutschen Siedler des 18. Jahrhunderts in Amerika vielleicht einfach andere Prioritäten hatten als nackt in den Wannsee zu springen?


Aber natürlich unterscheiden sich die amerikanische und deutsche Kultur nicht nur im Thema Nacktheit. Viele weitere Themen verlangen von beiden Seiten eine ordentliche Portion Geduld, Verständnis und Respekt. Immer wieder müssen wir ganz ruhig werden, innehalten und uns sagen, wir kommen halt aus unterschiedlichen Kulturen mit ganz verschiedenen Werten und Geschichten.


Kommen wir zum nächsten Thema, was mir immer wieder im Alltag aufstößt:


„Ich sage, was ich denke.“ Persönlich denke ich, wir Deutsche sagen einfach gerne, was wir denken und zwar genauso wie wir es denken. Da reden wir erst gar nicht lange um den heißen Brei. Wir denken und sprechen es genauso aus, wie wir es im Kopf haben. Nicht so für einen Amerikaner. Plötzliches und direktes Ansprechen auf ein Thema, ohne zuvor eine passende Atmosphäre geschaffen zu haben (wie „Hey Schatz, na, wie war Dein Tag?“), wird gerne gleich und ohne Vorwarnung als Angriff gesehen und als Reaktion erwartet man meist Flucht oder Gegenangriff.


Das gilt übrigens nicht nur für die Partnerschaft, auch im Berufsleben gibt es diese für uns doch oft falsch klingende Höflichkeit, denn sie hat eine ganz andere Absicht als die ausgesprochene.


So bedeutet ein nett klingender Satz wie „Bitte erledigen Sie das noch, wenn Sie dazu kommen.“, keinesfalls, dass man das wirklich erledigen kann, wenn man dafür mal Zeit findet, nein, der amerikanische Chef erwartet das höchstwahrscheinlich so schnell wie möglich, zumindest noch heute von Dir.


Aber nicht nur in der Direktheit und der Freude am Nacktsein unterscheiden wir uns, ich denke es gibt noch einen weiteren Punkt, auf dem ich im Alltag immer wieder stoße, nämlich das unterschiedliche Umweltbewusstsein.


Stellt man einen Amerikaner vor die Wahl der Fortbewegung zwischen Auto, öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad, wird dieser immer das Auto wählen, während ich prinzipiell das Fahrrad vorziehe. Klar, dann spar ich mir das Fitnessstudio. Sicherlich hat das etwas mit den Distanzen in den Vereinten Staaten von Amerika zu tun, die sich mit dem Fahrrad nicht mal eben bewältigen lassen, mit den gar fehlenden Fahrradwegen, aber bestimmt auch mit dem Statussymbol Auto. Er wählt also das Auto.


Aber damit ist er nicht getan, der Amerikaner startet das Auto und lässt den Motor erst mal 5 min warmlaufen bevor er losfährt. Er lässt den Motor laufen, wenn er auf die Kinder wartet vor der Schule oder beim Bäcker um die Ecke. Und was macht der deutsche Partner? Er wird nervös, fängt an zu schwitzen und denkt sich „Ach Du meine Güte, was für eine Umweltverschmutzung.“


Schließlich sagt der Deutsche dann „Also, honey, ich finde wir sollten mit dem Fahrrad fahren, das ist umweltfreundlicher und wir tun gleich was für unsere Gesundheit.“ Und welche Antwort wird der Amerikaner bereithalten? „Also, wenn Du damit sagen willst, dass mein Bauch zu groß ist, das ist Deine Schuld, Du kochst einfach zu gut.“ Bum, und schon ist der deutsche Partner ruhig, sogar beruhigt und na ja… sagen wir happy.


Du lebst als deutscher Expat in der Welt und Dein Partner ist in Amerika groß geworden? Wie erlebst Du Eure Partnerschaft? Auf welche Unterschiede stößt Du immer wieder? Schreibe mir, ich freue mich über jeden Kommentar.


Als Heilpraktikerin für Psychotherapie mit fast 20 Jahre Erfahrung in interkultureller Paar- und Familienbeziehung berate ich auf Deutsch, Englisch und Spanisch Menschen, die gerade nicht mehr allein weiterkommen – als Einzelperson, als Paar oder in der Familie, online oder persönlich.


#expats #kulturelleUnterschiede #typischamerikanisch

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