4 Tipps aus dem Stimmungstief in der Elternzeit

Aktualisiert: Mai 17

Depressive Verstimmungen nach der Geburt gibt es häufiger als man denkt. Hier meine 4 Tipps wieder aus dem negativem Strudel herauszufinden.

Depressive Verstimmungen nach der Geburt gibt es häufiger als man denkt. Sie können sich im gesamten ersten Jahr nach der Geburt entwickeln und sich über mehrere Wochen bis Jahre erstrecken. Je nach Schweregrad wird die depressive Verstimmung dabei klinisch in drei Kategorien eingeteilt.


Das am häufigsten vorkommende, ist das postpartale Stimmungstief, auch Baby Blues oder „Heultage“ genannt. Der Baby Blues ist eine Phase erhöhter psychischer Empfindlichkeit nach der Geburt und vergeht meist nach ein paar Tagen von allein wieder.


Ist die Symptomatik stärker ausgeprägt, spricht man von einer postpartalen Depression. Charakteristisch sind Stimmungstief, Hoffnungslosigkeit und soziale Abschirmung, aber auch andere Symptome wie Antriebslosigkeit, Traurigkeit, das Gefühl der inneren Leere oder der Wertlosigkeit, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, sexuelle Unlust, Ängste und Panikattacken oder ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber können auftreten.


Die schwerste Form ist die postpartale Psychose (auch Wochenbettpsychose genannt). Sie entwickelt sich seltener und tritt meist in den ersten sechs Wochen nach der Entbindung auf, oft sogar sehr plötzlich innerhalb der ersten beiden Wochen. Die Symptome sind ähnlich einer Wochenbettdepression, aber stärker und zudem begleitet von psychotischen Symptomen wie Realitätsverlust, Störungen des Denkens, Verhaltens und der Affekte. Auch Halluzinationen und Wahnvorstellungen können auftreten. Betroffene Frauen sind meist suizidgefährdet. Außerdem kann es auch zur Kindstötung (Infantizid) kommen. Frauen mit einer postpartalen Psychose sollten daher sofort stationär behandelt werden.


Als Gründe für die Entwicklung einer Wochenbettdepression wird einerseits die Hormonumstellung im Körper der Frau genannt, denn nach der Geburt sinkt die Konzentrationen der Hormone Östogen und Progesteron. Sicherlich spielen aber familiäre Umstände und die soziale Situation der Frau auch eine große Rolle bei der Entstehung der Krankheit. Des Weiteren begünstigen eine angespannte finanzielle Situation und die mangelnde Unterstützung des Partners eine Wochenbettdepression. Weitere Faktoren sind Erschöpfungszustände, oftmals ausgelöst durch Schlafmangel, die sogenannten Schreikinder, aber auch die eigene Lebensgeschichte der Frau.


Vermutest Du an einer Wochenbettdepression oder Wochenbettpsychose zu leiden, bitte ich Dich dringend, Dich bei einem Arzt Deines Vertrauens vorstellen. Hier kann Dich eine Onlineberatung nicht ausreichend unterstützen.


So, jetzt haben wir alle geläufige Formen der depressiven Stimmungen im Wochenbett genauer betrachtet. Was aber, wenn Du daran nicht leidest, aber trotzdem fühlst Du Dich nicht wirklich zufrieden? Obwohl doch jetzt alles perfekt sein sollte, mit dem kleinen Baby, Deinem Partner und zudem lebst Du auch noch im Luxus von Zeiten des Elterngeldes und der Elternzeit und Du hast eigentlich keine anderen Sorgen als Dich um das kleine Baby zu kümmern?


Vielleicht schläfst Du schlecht, vielleicht fühlst Du Dich überfordert mit dem Baby, vielleicht fühlst Du Dich einsam oder Dir ist langweilig, denn intellektuell wirst Du nicht mehr so richtig gefördert. Deine gewohnte Routine in der Arbeit und Freizeit gibt es nicht mehr. Vielleicht haben Deine Freunde auch keine Zeit mehr für Dich mit Baby. Außerdem musst Du immer zuerst an das Wohl dieses kleines Wesens denken, bevor Du an Dich denkst. Ist es Dein erstes Kind, diese Änderung ist definitiv am Einschneidendsten.


Da ist es doch sehr verständlich, dass Du Dich nicht glücklich fühlst, obwohl Du denkst, dass Du es doch eigentlich sein solltest. Wenn Du Dich in diesen Zeilen wiedergefunden hast, dann lese nun weiter.


Ich habe ein paar Tipps für Dich, wie Du diese Situation verbessern kannst.


Hier meine 4 Tipps, die Dich aus der negativen Spirale in der Elternzeit helfen:



1. Baby-Mindfulness:


Mindfulness oder Achtsamkeit ist in aller Munde. Doch was genau ist Achtsamkeit?


„Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Es handelt sich dabei um einen klaren Bewusstseinszustand, der es erlaubt, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment vorurteilsfrei zu registrieren und zuzulassen.“ (Zitat von Doris Kirch, DFME).


Seit der Geburt meines Sohnes sage ich immer, ich betreibe Baby-Mindfulness. Was ich damit meine ist, ich starre ihn an, ich schaue in seine Augen, schaue ihn ganz genau an, jedes einzelne Teilchen seines kleinen Körpers. Ich beobachte seine Mimik, bewundere seine Gesten, verfolge seine Bewegungen. Das wichtigste aber ist, dass ich dabei hier bin. Hier und jetzt. Hier im Jetzt bei und mit ihm. In diesem Moment denke ich nicht an all das, was ich noch nicht gemacht habe, an all das, was er wohl noch braucht und ich noch nicht vorbereit habe, an all die Dinge, die wir jetzt gleich noch machen werden oder an die Dinge für die es jetzt schon zu spät ist. Ich bin da, wertfrei, offen, frei bin ich da, für mein Baby.


Diese Übung führe ich mindestens einmal am Tag für ca. 10 Minuten aus. Dieses Baby-Mindfulness ist praktisch ein Geniessen jeder einzelnen Sekunde, die wir bewusst mit dem Baby wahrnehmen, ohne etwas aktiv zu machen. Vergewissere Dich ein paar Minuten jeden Tag in Eure Routine einzubauen, in der Du Dir über dieses Wunder der Natur bewusst werden kannst.


Denke daran, wie kostbar diese Zeit ist, auch wenn sie noch so anstrengend ist. Aus Erfahrung kann ich oder Deine Mutter Dir versichern, diese Zeit kommt nie wieder. Das Kind ändert sich, wird groß, fängt an zu sprechen, zu laufen, kommt in die Schule, etc. Nutze diese Zeit bewusst, denn so viel Bonding-Zeit werdet Ihr nie wieder haben wie jetzt. Und vor allem, fühle Dich bloss nicht schlecht dabei, wenn Du ganz lange Dein Baby anstarrst. Es ist ein Wunder und die Zeit ist gut investiert, in Dich, Deine mentale Gesundheit und in Deinen kleinen Sprössling.


2. Reflektions-Übung:


Lasse jeden Tag vor dem Schlafengehen Deinen Tag Revue passieren. Denke dabei konkret an den Moment mit Deinem Baby, der für Dich am schönsten war. Das kann ein Lächeln gewesen sein, ein Gurgeln, eine nette Begegnung. Schreibe sie auf. Jeden Tag.


Und der zweite Teil der Reflektions-Übung ist, dass Du eine Sache bestimmst, die Du am morgigen Tag erledigen wirst. Das kann die eine Banküberweisung an die Versicherung sein, die E-Mail an Deinen Arbeitgeber, den Termin beim Zahnarzt vereinbaren oder was auch immer schon länger anstand und aus Zeitgründen nicht erledigt werden konnte.


Wichtig ist, dass Du Dir aber nur ein To do pro Tag vornimmst. Du denkst nicht an all die Dinge, die Du heute nicht erledigen konntest, sondern nur an die eine Sache, die Du morgen erledigen willst, nur diese eine Sache.


3. Me-Time:


Versuche Dir bewusst Zeit für Dich selbst zu nehmen. Zeit, in der Du nur das machst, was Dir guttut. Das kann ein Besuch im Spa sein, ein Kinobesuch mit einer Freundin oder ein Kurs an der Volkshochschule. Es ist so wichtig, sich diese Me-Time zu gönnen, denn wir dürfen nicht vergessen, dass Muttersein ein 24/7 Job ist, werktags wie am Wochenende, Urlaub und Krankmeldung ausgeschlossen.


Vielleicht kann Dich Dein Partner unterstützen Dir diese Me-Time einzurichten, vielleicht die Großeltern oder Deine Geschwister oder Freunde. Wenn es all das nicht gibt, kannst Du immer noch auf den klassischen Babysitter oder die Leihoma zurückgreifen. Me-Time kann 30 min dauern oder einen ganzen Tag, je nachdem wie viel Du brauchst. Spreche ganz offen mit Deinem Partner darüber und fühle Dich nicht schlecht dabei. Es ist vollkommen legitim und wichtig zuerst an sich zu denken und dann an die anderen.


4. Same-Same:


Suche Dir Gleichgesinnte. Es ist sehr wichtig, dass Du Dich jetzt austauschst. Reden und Erfahrungen weitergeben hilft Dir Dich schneller an Deine neue Lebenssituation anzupassen. Dieser Erfahrungsaustausch kann online oder im richtigen Leben stattfinden. Es können gute Freunde sein oder eine Krabbelgruppe Deiner Stadt. Gerade, wenn Du im Ausland lebst, ist es oft schwer Kontakt mit Gleichgesinnten herzustellen, manchmal liegt es an der Sprache oder den kulturellen Unterschieden oder einfach, weil Du Dich noch nicht zu Hause fühlst oder vielleicht nur ein paar Monate bleibst und Dir erst gar nicht die Mühe machen möchtest.


Fühlst Du Dich allein und möchtest Dich mit Gleichgesinnten austauschen? Dann lade ich Dich herzlich zu unserer Online Krabbelgruppe ein. Wir treffen uns einmal im Monat online und sprechen über alles, was uns auf dem Herzen liegt.


#mindfulness #baby #Achtsamkeit #Krabbelgruppe

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